Mitsegeln auf Windjammer

eines der letzten Abenteuer unserer Zeit

Mein erster Törn auf der Roald Amundsen


Hallo Leute,

Patrickich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

Dieses Jahr soll es mit der Brigg "Roald Amundsen" nach Skandinavien gehen und wir fahren von Travemünde nach Göteborg in Schweden und von dort wieder zurück nach Ecktown. 

Aber ich will zuerst von meinem ersten Segeltörn auf der Brigg "Roald Amundsen" erzählen, die ihren Heimathafen in Eckernförde hat, also gleich um die Ecke von mir, denn ich wohne in Kiel.
Mein Vater fährt auch auf der Roald und hat mich auf die Fahrt "heiß wie Frittenfett" gemacht. Ich konnte einfach nicht anders und mal eine Reise mitmachen.

Mein Opa hatte früher selbst einen Kutter und so manches Mal bin ich mit raus auf See gefahren. Aber da war ich noch ganz klein und seit etlichen Jahren bin ich nicht mehr auf einem Schiff gefahren. Trotzdem war es für mich ein totales "Heimatgefühl", wieder Planken unter den Füßen zu haben und Seeluft zu schnuppern.

Von Segeln selbst hatte ich aber überhaupt keine Ahnung. Ich war noch nie segeln. Aber die Leute an Bord haben mich gleich total toll aufgenommen und mir den Dampfer gezeigt. Komisch war mir am Anfang schon zu Mute, als ich die großen Masten sah, auf die ich klettern sollte. Auch wusste ich nicht, warum die "Dampfer" sagen, wo doch klar ist, dass es ein Windjammer ist, mit dem wir einen Segeltörn durch die Ostsee machen wollten. Aber ein Schiff ist wohl aus Tradition ein "Dampfer". Und in einem Punkt haben die sogar Recht: Die Roald Amundsen ist ein Traditionsschiff, von denen es nicht mehr viele in Deutschland gibt.

Ich bin dann in Eckernförde an Bord gegangen. Am 11. September 2011, um es genau zu sagen.
Die Roald lag an der Pier und ich hatte ein echt flaues Gefühl in der Magengegend, vor allem, als ich nach oben sah.....

Ich war nicht der Erste an Bord, denn viele von der Stammcrew waren schon an Bord und haben mir die Tasche abgenommen. Fand ich toll, dass sie mir gleich das Gefühl gegeben haben, willkommen zu sein. Dann hieß es Koje belegen und die Tasche ausräumen. Die Koje war schon komplett bezogen, so dass ich schon mit meinem Rundgang an Bord beginnen konnte. Glücklicherweise fuhr mein Pa ebenfalls mit, so dass ich wenigstens schon einen der Leute kannte.

Bei einer Rumpflänge von mal gerade 40 Metern war der Rundgang überschaubar und ich fand mich doch sehr schnell zurecht. Allerdings ging es auch rund 35 Meter nach oben, und dort waren die Tampen absolute böhmische Dörfer und ich hätte schwören können, dass ich das niemals lernen werde. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.....

Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht, denn es ging noch am selben Tag in die Masten. Ins "Rigg" nennen die.... ähhh, nein, nennen WIR es. Alles was sich am Mast oberhalb der Decksplanken befindet und sonst noch irgendwie zum Segeln dient, heisst Rigg. Also Masten, stehendes und laufendes Gut und Segel. Und die beiden Masten heißen "Großtopp" (für den größeren hinteren Mast) und "Vortopp" (für den vorderen Mast).

Erstmal brauchte ich einen Sicherheitsgurt. Den habe ich vom Steuermann bekommen. An Deck wurden wir dann in die Geheimnisse des Einstiegs in den Gurt eingeweiht. Das ist gar nicht so einfach, die Balance zu halten, um in die Beinschlaufen zu kommen. Aber damit wir später keine Unfälle erleiden, ist sorgfältiges Anlegen des Gurtes Pflicht und am Ende auch lebensnotwendig.

Außerdem erfolgte die zwingend notwendige Sicherheitseinweisung, damit wir wissen, wo sich Rettungswesten, Rettungsringe und die Rettungsinseln befinden. Ans Absaufen hatte ich bis dahin auf jeden Fall nicht gedacht und war auch nicht scharf darauf.

Unser Auslaufen aus dem Eckernförder Hafen erfolgte am nächsten Morgen und war etwas zäh. Der Käpt`n wollte sehr gerne unter Segel auslaufen. Leider war nicht genügend Wind im Hafen, so dass sich die vielen Zuschauer schon gewundert haben, was wir da so treiben. "Treiben" war schon das richtige Wort, denn am Ende mussten wir doch unseren "Unterwasser-Besan" setzen, also die Maschine anschmeißen, um aus dem Hafen zu kommen. Unsere Maschine heißt übrigens "Emma" und wird vom Maschinisten liebevoll gepflegt.

Gegen Mittag erreichten wir dann die offene See und sind Richtung dänische Insel Langeland gesegelt, wo wir am frühen Abend eine Halse hinlegten. Halsen bedeuten Richtungswechsel und ziehen an jeder Menge Tampen. Ich hatte noch keinen blassen Schimmer vom Dunst einer Ahnung, was ich da mache. Aber Toppsgast ("Toppsi") Robert zeigte uns die Tampen, an denen wir
kräftig ziehen sollten. Das erste Mal im Leben half ich mit, die Rahen mit samt Segel an einem Mast so zu drehen, dass die Segel plötzlich in einer ganz anderen Richtung zeigten. Mittlerweile hatte der Wind ordentlich zugelegt und für waschechte Landeier war das schon ein kleiner Orkan. Langsam wurde es schummerig und wir kamen der Küste bedrohlich nahe. Also wieder in die andere Richtung halsen. Jetzt wusste ich schon, an welchem Tampen ich ziehen musste.
Der Wetterbericht meldete zunehmenden Wind aus WestSüdWest.

Neuer Kurs durch den Fehmarn-Belt Richtung Rostock. Die arme Wache 2 musste gegen 04:00 Uhr bei mittelschwerer See und Wellen um die 2 Metern, manchmal auch bis 4 Meter halsen. Der Wind hatte mittlerweile wieder gedreht, was unseren Kurs zu weit nach Norden verlegte. Gegen 11:00 Uhr am Folgetag mussten wir doch wieder Emma anschmeißen und auf Westkurs Richtung Fehmarn juckeln. Und das bei Windstärken um 6 - 8 Beaufort und in Spitzen sogar bis 9 Windstärken. Der angepeilte Ankerplatz vor Fehmarn konnte nicht angelaufen werden, sondern wird wegen des starken Windes weiter südlich in den Beginn der Lübecker Bucht verlegt. Gegen 17:30 Uhr ist unser erster Segeltag beendet und der Haken ("Anker") gräbt sich im Windschatten der "Berge" vor Großenbrode in die aufgewühlte Ostsee (O-Ton aus München: "welche Berge?")

Ein paar Seekranke waren zu beklagen, denen es nun schlagartig besser ging. Da sie den halben Tag in der Koje verpennt haben, dürfen sie jetzt auch frische Luft bei der Ankerwache schnuppern. Wie ich hörte, fuhr dieser Törn an diesem Tag die erste 6-Stunden-Halse in der Geschichte der christlichen Seefahrt. Daran beteiligt waren die Wachen 4/8, 8/12 und nach Anforderung auch noch die 0/4-Wache, also ALLE.

Glücklicherweise bin ich nicht seekrank geworden und habe die Ricksafari total genossen. Es war viel leichter als gedacht und niemand hat mich gezwungen, da aufzuentern. Zuerst bin ich bis auf die erste Saling hochgegangen (siehe oben), wo ich mich erstmal eingepickt, also gesichert habe. Von dort hatte man schon einen Super Blick über das Meer.

Doch insgeheim konnte ich es kaum abwarten, endlich ganz nach oben auf die Royal aufentern zu dürfen. Etwa 32 Meter hoch ist es da oben. Die Wanten werden immer schmaler und das Deck immer kleiner. Hatte ich mir da nicht zuviel zugemutet?

Diese Gedanken habe ich schnell wieder verworfen und bin dann am frühen Nachmittag mit meinem Pa ganz nach oben aufgeentert. Sensationell der Ausblick. OK, ein bisschen hat es schon geschaukelt, aber wozu habe ich Hände, wenn ich sie nicht zum Festhalten benutze?

So kurz ist das Gedächtnis auf See. Denn nachdem ich von angeblich widrigen Witterungsverhältnissen berichtete, kann die am Folgetag zuständige 8-12er-Wache nur in den höchsten Tönen darüber berichten, wie schön Segeln sein kann – wenn es denn die Wetter- und Wellenlage erlaubt. Nun denn. Heute sahen wir erstmalig Kameradinnen und Kameraden, die lange nicht an Oberdeck waren. Und sie lächelten sogar noch dabei. Ein erstaunliches Phänomen der menschlichen Verdrängungskunst ob vorangegangener Turnübungen an Schanzkleid, Kermaik und Koje. Kurzum – heute war schönstes Wetter, das eine oder andere Stag- wie Rahsegel zu hissen, was wir dann trotz der Kürze des heutigen Segeltages auch getan haben. Um die 5 Windstärken aus West führten die Roald recht schnell und insbesondere direkt zum Zielhafen Neustadt in Holstein.
  
Nicht nur Trainees, sondern auch manche der Stammcrew nutzen die in diesem Törn doch seltenen Gelegenheiten, aufzuentern, um die wenigen Segel zu packen und selbiges den Trainees beizubringen. Heute wurden „Roaldinchen“ (so genannte UntermarsrahstürmerInnen) geboren – mehr war leider in diesem Törn nicht drin – aber der nächste angekündigt. 

In Neustadt angekommen drehten wir mit Hilfe unseres Bugstrahlruders (andere sagen „Dingi“ dazu) auf dem Teller – und Martina krönte dieses exzellente Steuermannsmanöver (Zottel hatte den Hut auf) mit den getragenen Worten „Das war echtes Brigg-Ballett“.
Kratzer-, beulen und spierenbruchfrei angekommen bereiteten wir das „Käptn’s Dinner“ mit Tischen und Bänken in neu formierter Rautenform auf dem Oberdeck vor.
Und so endet mein erster Törn und bald ist es dann wieder soweit: w.s.u.a.d.R., was soviel heißt wie "Wir sehen uns auf der Roald". Du auch??

News & Aktuelles

Der erweiterte Törnplan für die Brigg "Roald Amundsen" ist jetzt veröffentlicht. Erwartungsgemäß geht es in die Karibik und verspricht wunderschöne Ziele.

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Törnberichte

Ich bin Thommes und bin von April 2011 bis Mai 2012 insgesamt 11 mal auf der Roald Amundsen gefahren, so begeistert bin ich von diesem Schiff. Mein längster Törn war der von Oostende (Belgien) nach Lissabon (Portugal) 5.11. Thomas Kochbis 22.11.2011also fast 3 Wochen. Dabei fuhren wir durch den Englischen Kanal, durch den Golf von Biscaya und auf dem Atlantik, bis wir pünktlich Lissabon erreichten. Während dieser Zeit besuchten wir Städte wie Brest, La Coruna, Kap Fenisterre („Cabo Finisterre“) oder  Cascais vor den Toren Lissabons.
Hier findest Du die Törnberichte aus dieser Zeit, die meistens von mir verfasst wurden.


Hallo Leute,

ich bin Patrick und habe 2011 meinen ersten Ostsee Segeltörn auf einem Windjammersegler gemacht. Das war sowas von g....., dass ich mich für dieses Jahr gleich für zwei Törns im August angemeldet habe.

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